Ist Social-Commerce Fluch oder Segen für den Online-Handel?

Insbesondere im Zusammenhang mit Facebook ist der Begriff Social-Commerce zuletzt immer häufiger aufgetaucht, wenn es um die Vermarktungsmöglichkeiten von Online-Shops geht. Dabei wird sogar der Extremfall, der direkte Verkauf innerhalb der Plattform propagiert. Ist das realistisch? Überhaupt sinnvoll? Rechtlich bedenklich scheint es trotz einer Lösung eines Gütesiegel-Anbieters immer noch zu sein, wenn man sich beispielsweise den Umgang mit Personendaten anschaut. Zieht man sich Studien heran, was über Soziale Netzwerke abläuft, macht es sicherlich schon Sinn in den relevanten Portalen auffindbar zu sein, wenn man denn diese auch redaktionell im Auge behält. Ein Konzept und einheitliches Erscheinungsbild sollte jeder Händler schon haben, sonst geht es nach hinten los. Meistens können kleine Anbieter das gar nicht neben dem eigentlichen Betrieb des Shops leisten.

Außerdem belegen die meisten Erhebungen, das über Facebook nicht direkt mehr verkauft wird. Es ist eher eine Chance seine Image zu stärken. Oder es vielleicht neu zu entwickeln? Zumindest zu überdenken, denn die Zeiten sind vorbei, wo jedes Unternehmen sich auf Hochglanzpapier Werbeanzeigen und Broschüren hat drucken lassen, mit den üblichen Aussagen: Wir sind die Besten, die Schönsten und die Schnellsten. Leistung, Qualität und Service haben früher alle für sich beansprucht. Manche tun es noch heute. Hilfreich ist das nicht. Es ist weder ein Alleinstellungsmerkmal noch ein Kaufgrund. Heute entscheiden die Nutzer, welche Eigenschaften eine Firma, ein Shop oder ein Produkt wirklich hat. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich viele Firmen schwer tun, sich mit den sozialen Medien anzufreunden oder gar ein vernünftiges Konzept auf die Beine zu stellen. Erfolgreiche Unternehmen haben schon vor langer Zeit emotionale Aspekte wie Design als Verkaufsargument in den Vordergrund gestellt. Für diese Anbieter ist Facebook eher ein Segen, für die anderen eher ein Fluch.

Wichtig ist, das die meiste Interaktion bei Facebook innerhalb der ersten 24 Stunden stattfindet, nachdem ein Beitrag oder Kommentar veröffentlicht wird. Bei Twitter ist es i.d.R. noch schnelllebiger. Wenn, dann ist Twitter aber trotzdem eher eine direkte Verkaufsplattform als Facebook. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, beispielsweise Restposten über Twitter anzubieten? Für Sonderfälle halte ich die sozialen Netzwerke für äußerst spannend, auch um echte Kundenmeinungen zu bekommen.

Fazit: Auch wenn selbst Google seine Suchergebnisse sozialer gestalten wird, bleibe ich dabei, das sich zwar die Vermarktung von Online-Shops ändern wird, allerdings der klassische Weg vorläufig den größten Umsatz bringt. Also sind weiterhin Suchmaschinen-Optimierung und Suchmaschinen-Marketing, sowie Preisvergleiche und Shopping-Portale der beste Weg für neue Kunden und stetige Umsätze im Online-Shop. Social-Commerce steckt genau wie der Mobile-Commerce noch in den Kinderschuhen, und ist eher für Nischenanbieter oder Restposten eine echte Chance. Vielleicht profitiert sogar der stationäre Einzelhandel mehr von diesen Entwicklungen als der reine Online-Handel. Als Ergänzung mit passendem Konzept  ist Facebook & Co. als ein Teil einer umfassenden Online-Marketing-Strategie jedoch auf jeden Fall sinnvoll.

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Leser Kommentare

  1. Sven meint:

    Hallo Andreas,

    ein interessanter Artikel. Die gestellte Frage ist eine entscheidende. Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen wo laut einer Studie gezeigt wurde das man bei Facebook auf ungefähr die 8-fache Reichweite (sprich Klickzahlen) bekommt wie bei Twitter. Gründe sind natürlich vielseitig wie zum Beispiel die Schnelligkeit von Twitter. Sprich ein Link ist nur sehr kurz sichtbar. Andererseits kann man natürlich Gewinnspiele etc. sehr gut über Twitter gestalten, prinzipiell wird man aber mehr erreichen wenn man sich auf Facebook konzentriert.
    Was den E-Commerce angeht denke ich nicht das Facebook sehr schnell andere Seiten überholen wird. Es gibt ja Diskussionen ob Facebook für Amazon ein Gegner sein wird. Das glaube ich nicht da die Vertrauensprobleme die Facebook aus mangelnden Datenschutzgründen hat werden nicht so schnell weggehen wenn es um so sensible Daten wie Bankdaten geht.
    Eine Idee für Facebook oder auch Twitter die bisher irgendwie noch keiner so richtig umgesetzt ist folgende Idee als Beispiel: „Wer bis 18 Uhr in unser Ladengeschäft kommt, bekommt auf Ware X 50% Rabatt.“ Sprich man kann seine Fans dazu ermutigen den Laden auch wirklich zu betreten und eventuell noch mehr zu kaufen. Oder halt Gutscheinaktionen für Onlineshops die man nur als Fan einer Seite nutzen kann, dafür gibt es ja schon Beispiele (Ferrari macht das zum Beispiel häufiger).
    Abschließend sollte man als Händler allerdings auch nicht vergessen das diese Anbieter, sei es Ebay, Amazon oder auch Facebook Provisionen verlangen und das nicht wenig. Verläßt man sich jetzt darauf nur über diese Kanäle Kunden zu generieren, dann kann es haarig werden. Zum Beispiel haben vor ein paar Jahren etliche Händler mit festen Provisionen bei Ebay gerechnet, als diese dann deutlich erhöht wurden gabs auch ein paar Pleiten. Deshalb ist Euer Preismodell mit festen Preisen für Links eine für den Händler viel günstigere und sicherere Wahl.
    So Mittagspause um – genug getippt.

    Gruß,
    Sven

  2. Lars Nielsen meint:

    Hallo Andreas,
    vielen Dank für den interessanten Artikel. Insgesamt sehe ich das ähnlich.
    Das Thema Social Commerce ist jedoch deutlich vielschichtiger, als nur der Bezug zu Social Networks wie Facebook und Twitter und der One-Way-Vermarktung des eigenen Shops.
    Man muss z.B. zwischen Social Commerce, Social E-Commerce und E-Commerce unterscheiden. Das von Dir genannte Beispiel fällt eher in den Bereich Social E-Commerce, denke ich.
    Die Bandbreite im Online-Bereich ist auch relativ weit: Von der Vermarktung auf Social Networks, wie Facebook mit Social Ads und Social Apps über Social Sharing in Shops (z.B. mit Facebook-Empfehlungen usw.), der Verwendung von Social Components (z.B. Co-Browsing bei Mattel) bis hin zu einfachen Kundenbewertungen wie bei Amazon oder auch Ideen-Foren, wie beim Dell-Ideastorm.
    Die Details sprengen hier gerade ein wenig den Rahmen, aber beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW, http://www.bvdw.org) wird es in Kürze einen recht ausführlichen und guten Leitfaden zu genau diesen Themen geben.

  3. Andreas Wellensiek meint:

    „E-Commerce auf Facebook ist rausgeschmissenes Geld für Händler“ ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Forrester Research: F-Commerce lohnt sich derzeit nicht – und auch die Zukunft sieht wenig rosig aus.

    http://www.internetworld.de/Nachrichten/E-Commerce/Zahlen-Studien/E-Commerce-auf-Facebook-Rausgeschmissenes-Geld-fuer-Haendler

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